Und jetzt ein kurzer Beitrag zum Thema: ICH BIN IM HOMEOFFICE!

Und jetzt ein kurzer Beitrag zum Thema: ICH BIN IM HOMEOFFICE!

Und jetzt ein kurzer Beitrag zum Thema: ICH BIN IM HOMEOFFICE!

Eigentlich sollte ich gerade an einem Exposé sitzen, die Deadline dafür ist nämlich der 31. Mai und ich würde so gern schon vorher fertig sein. Aber … aber seit Tagen – ach was, Wochen! – schwirrt bereits dieser Text in meinem Kopf herum zum Thema Homeoffice, und der muss da erst mal raus.

Über zwei Jahre Arbeit am heimischen Schreibtisch sind nämlich mehr als genug, um Erfahrungen zu sammeln. Die möchte ich jetzt endlich mit euch teilen – und dem ein oder anderen dadurch vielleicht ein bisschen die Augen öffnen, was Homeoffice eigentlich bedeutet.

  • Homeoffice ist ARBEIT

    Die PONS Studienausgabe Schule und Studium ENGLISCH übersetzt das Wort Office mit „Büro (room)“, „Geschäftsstelle (firm)“ oder „Kanzlei (lawyer)“. Gut, ich bin weder Anwältin noch betreibe ich eine … obwohl, wartet mal. Natürlich tue ich das, ich betreibe eine Firma! Sogar zwei, um genau zu sein.

Da wäre zum einen meine selbstständige Autorentätigkeit, der ich an genau diesem Schreibtisch hier nachgehe (und auch überall anders). Ich denke, schreibe, lösche, lese, korrigiere, flippe aus und weine manchmal dabei. Außerdem ist da ja noch Kirchner Textdesign. Unter diesem Namen schreibe ich werbende und wertende Produkttexte für Firmen im Internet. Beide Tätigkeiten bringen mal mehr, mal weniger Geld ein, sprich man bezahlt mich dafür. Ich liefere und erhalte im Gegenzug Moneten. Arbeit eben.

Anwältin bin ich aber tatsächlich (noch) nicht.

  • Arbeit zu Hause ist auch Arbeit

Oben habe ich erklärt, was ich im Homeoffice so mache (außer Unmengen von Kaffee trinken). Der findige Leser wird bereits dahinter gekommen sein, dass man all diese Dinge genauso gut in einem Büroraum erledigen könnte, anstatt sich im trauten Heim einen speziellen Arbeitsplatz dafür einzurichten. Und er hat recht! Es gibt sogar Menschen, die exakt das tun, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für … und so weiter. Deren Aufgaben unterscheiden sich von meinen im Grunde nur durch den Ort, an dem sie sie erledigen.

Kurz gesagt: Ja, ich weiß, ich bin zu Hause und muss nicht erst ins Auto, den Zug oder den Bus steigen und irgendwo hinfahren. Dennoch kann ich nicht ständig Nachrichten beantworten, auf private Anrufe reagieren oder „mal eben kurz …“, weil ich – und hier wiederhole ich mich gern – arbeite!

  • Mein Tagesablauf

Um das noch mal zu verdeutlichen, möchte ich euch jetzt an meinem normalen Tagesablauf teilhaben lassen. Normal heißt in dem Fall, mein Mann hat nicht frei und mein Sohn ist in der KiTa.

Gegen halb neun bringe ich also den Prinzen in den Kindergarten und gehe danach etwa eine Stunde lang mit dem Hund raus. Sobald ich wieder daheim bin, mache ich mir einen Kaffee und was zu essen, trage beides nach oben in mein Arbeitszimmer und los geht’s. Jetzt ist es circa zehn Uhr am Morgen. Die nächsten drei bis vier Stunden sitze ich dann an Texten zu Themen wie Babyphones, Bodygroomern, Luftbefeuchtern und was die Familie von heute sonst noch so benötigt, um sich gut ausgestattet zu fühlen.

Manchmal höre ich schon um eins wieder auf, weil da ja noch ein Haus um mein Arbeitszimmer herum ist, das meine Aufmerksamkeit verlangt, und in dem Haus sind Kleider, Böden, dreckige Teller und solche Dinge. Ach, und der Garten! Ja, den hätte ich fast vergessen. Also manchmal schiebe ich jetzt eine Stunde Hausarbeit ein, bevor ich den Prinzen um viertel drei (für alle, die das nicht verstehen: viertel nach zwei) wieder abhole.

Nun haben wir kein Kind, das sich sonderlich gut allein beschäftigen kann. Muss er auch nicht, wir spielen gern mit ihm. Oder wir nehmen ihn zum Einkaufen mit, zum zweiten Gassigang des Tages oder sonst wohin. Familytime, quasi, bis der kleinste Kirchner dann gegen sieben ins Bett geht. Etwas mehr als die Hälfte des Monats ist mein Mann dabei, an den übrigen Tagen hat er Spätschicht oder sonstige Verpflichtungen. Nach der Gutenacht-Geschichte kommt dann noch die Beseitigung vom Prinzen-Chaos sowie der Kampf in der Küche.

Wer jetzt denkt, das war es dann, hat sich allerdings geschnitten, denn an mindestens sechs Tagen der Woche setze ich mich anschließend ein weiteres Mal an den Schreibtisch und lasse ab spätestens acht Uhr abends für zwei bis drei Stunden die Autorin raushängen. Das klappt mal besser, mal schlechter. Kommt auf den Tag an. Im Mittel bringe ich es also auf 30 Arbeitsstunden pro Woche.

  • Der Umgang mit Unterbrechungen

Das schaffen andere Menschen mit Kind ebenfalls, ich weiß. Ich beschwer mich auch nicht darüber. Ganz im Gegenteil, ich bin froh, mir meine Zeit so einteilen zu können, wie ich das möchte. In der Vergangenheit, vor allem im letzten Jahr, musste ich oft kurzfristig auf neue Umstände reagieren, und das Homeoffice hat mir da sehr geholfen. Eine Sache aufzuschieben, bedeutet jedoch nicht, dass sie sich von allein erledigt. Ich muss sie also irgendwann anders nachholen.

Ist auch vollkommen in Ordnung, damit komme ich klar. Was mich dagegen wirklich, wirklich aufregt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der ich bei der Arbeit gestört werde. Ist ja nur Homeoffice. Du bist ja zu Hause. Du könntest doch trotzdem schnell …

NEIN! Ich kann nicht! Ich will auch nicht, ehrlich gesagt. Wer schon mal an einem Aufsatz gesessen hat, als plötzlich die kleine Schwester oder sonst wer zur Tür reingestürmt ist, um zu nerven, versteht das vielleicht. Die Arbeit mit Texten ist nämlich vorrangig eine, die im Kopf stattfindet. Ich denke fortwährend dabei, muss jedes Wort auf die Goldwaage legen und aufpassen, dass ich es nicht zu oft oder im falschen Kontext benutze. Obendrein darf ich keine falschen Informationen verarbeiten, das gilt sowohl für die Texterei als auch für das Schreiben von Geschichten.

Stellt euch also mal Folgendes vor: Ich sitze gerade mit meinem Prota auf einer Mauer und wir führen ein echt schwieriges Gespräch mit unserem besten Freund darüber, was in den letzten Monaten so alles schief gelaufen ist zwischen uns. Eigentlich streiten wir sogar, und eben wollen wir darauf reagieren, dass er uns die ganze Schuld daran gibt –

„Warum gehst du nicht ans Telefon?! Du bist doch zu Hause!!!“

Oder ich lese gerade die xte Bewertung zu einem Luftwäscher mit gefühlt tausend unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten und –

(Sechs Nachrichten nacheinander, muss also wichtig sein. Ich lese:)
„Sag mal, du bist doch Texterin. Das heißt, du kennst dich mit Texten aus. Würdest du mal über meinen Text schauen, Typos und so rauspicken? Und wenn du schon dabei bist, kannst du das doch auch gleich noch …“

Vielleicht sitze ich auch mit aufgeschlagenem Notizbuch da, schreibe auf wollweißem Papier ein paar Wortfetzen nieder, die ich nach stundenlangem Nachdenken endlich in die richtige Reihenfolge –

DINGDONG! „Sag mal, ist dein Mann da? Nein? Oh, schade. Du kennst dich nicht zufällig mit …“

Wäre ja alles noch zu verkraften, wenn ich danach einfach wieder die Palette in die Hand nehmen und sie dort hinlegen könnte, wo sie hin muss. Aber das geht nicht, so funktioniert Schreiben nicht. Stattdessen muss ich den kompletten Gedankengang von vorne aufdröseln. So ist das nämlich mit Gedanken, die gehen nicht mal eben da weiter, wo sie abgerissen sind. Das ist wie mit Träumen, bei denen kann man auch nicht auf Pause drücken.

Es. Geht. Nicht.

  • Das bedeutet dann also …

Abgesehen davon kostet mich jede Unterbrechung im Zweifel Geld. Ich werde nur für das bezahlt, was ich abliefere, seien es Texte oder Geschichten. Für’s Dasitzen, Zuhören, Antworten, den ein oder anderen Gefallen und das berüchtigte „… mal eben kurz …“ bekomme ich nämlich … na? Genau, nüscht!

Nicht falsch verstehen, ich helfe gern und wo ich kann! Aber nicht (mehr) auf dem Gebiet, das eigentlich zum Geldverdienen da ist. Wenn ich Texte erstellen soll, kann man mir gerne eine Mail schreiben, dann mach ich das. Im Homeoffice. Soll ich eine Homepage befüllen, tue ich auch das gerne gegen entsprechende Bezahlung. Im Homeoffice. 30 Stunden etwa stehen in der Woche dafür zur Verfügung. Na ja, etwas weniger, weil ich ja auch noch schreibe. Jugendbücher übrigens.

Und hin und wieder trinke ich auch mal entspannt einen Kaffee oder Tee, so wie jetzt gerade. Im Homeoffice.

About Angela Kirchner

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