Tamara Bach – Vierzehn (#djlp17)

Tamara Bach – Vierzehn (#djlp17)

Tamara Bach – Vierzehn (#djlp17)

Auf Tamara Bach bin schon vor vielen Jahren aufmerksam geworden. Mit ihrem Roman Marsmädchen hat sie mich damals schwer beeindruckt, Busfahrt mit Kuhn stand dem in (fast) nichts nach. Doch anschließend ist es ein wenig ruhig um uns beide geworden, ich hatte die Autorin irgendwie aus den Augen verloren.
Bis sie schließlich im März 2017 mit ihrem neuen Büchlein Vierzehn auf die Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis und damit zurück auf mein Radar gewandert ist.

Zum Glück!

Um was geht’s?

Tja, um was geht’s. Gute Frage. Um ein Mädchen, das von allen Beh genannt wird. Auf der letzten Seite erfährt man ihren richtigen Namen: Beatrice Emilia Hofmann. Komisch, dass das so lange verschwiegen wird?

Nein.
Denn zum einen ist die Geschichte mit ihren 101 Seiten nicht lang, und zum anderen ist es völlig egal, wie das Mädchen heißt. Der Leser/die Leserin schlüpft in Behs Rolle, ist sie. Das schafft Tamara Bach, indem sie eine (noch immer) sehr außergewöhnliche Erzählperspektive einnimmt, nämlich die Du-Perspektive. Doch dazu später mehr.

Du gehst weiter zielgerichtet ohne Ziel, nur weg.
Und kennst dich hier doch gar nicht aus.
(Tamara Bach – Vierzehn)

Beschrieben wird ein einziger Tag in Behs Leben, der erste Schultag nach den großen Ferien, um genau zu sein. Man folgt ihr nach acht Wochen Pause (denn vor den Ferien war sie zwei Wochen krank) aus der Wohnung auf den Schulhof, ins Klassenzimmer, zur Nachbarin, zum Vater, ins Schwimmbad. Dabei werden nach und nach Geschehnisse aus den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten offenbart, indem die Autorin geschickt immer wieder kleine Spotlichter darauf wirft. So erfahren wir zum Beispiel, dass Beh letzten Samstag zum ersten Mal geküsst wurde, unter welcher Krankheit genau sie gelitten hat, dass das Verhältnis zu ihren Freundinnen inzwischen ein anderes ist und so weiter.
Mehr will ich hier gar nicht zum Inhalt verraten. Sind ja wie bereits erwähnt nur rund 100 Seiten …

Und, wie war’s?

Uff.
Am Anfang hab ich mir ehrlich gesagt wirklich schwer getan, in den Text reinzukommen. Es war das erste Buch mit dieser Erzählperspektive, das ich gelesen habe, und es hat mich tatsächlich geschlaucht. Aber ich wollte nicht aufhören, denn der Stil – so abgehackt und kurzatmig und voller Ellipsen er auch ist – hat mich fasziniert. Vielleicht gerade aufgrund seiner gewaltigen Andersartigkeit.

Ernsthaft beeindruckt hat mich allerdings, wie mühelos und verdammt lässig Tamara Bach ihre Protagonistin zu einer sehr überzeugenden, mutigen und selbstbestimmten jungen Frau gemacht hat. Wahnsinn!
Dieses Mädchen schafft es in einem Tag, sich von einer Welt abzukehren, die ihr nicht gewachsen ist (ja, richtig gelesen, diese Welt ist Beh nicht gewachsen!) und sich stattdessen einer zuzuwenden, die ihre Aufmerksamkeit verdient. Dabei geht nicht alles ohne Tränen vonstatten. Beh pubertiert, ist grummelig und kurzsilbig. Aber in ihrer Mürrischkeit ist sie so gefestigt, dass selbst unangebrachte Avancen und Gezicke ihrer sogenannten Freundinnen ihr nichts anhaben können.

Himmel, wenn ich als Vierzehnjährige so ein Selbstbewusstsein gehabt hätte …

Fazit zu Tamara Bach – Vierzehn

Nicht umsonst ist dieser Titel gleich zweimal nominiert worden, sowohl in der Kategorie Jugendbuch als auch für den Preis der Jugendjury (unter den beiden Links könnt ihr die Begründungen der jeweiligen Jury nachlesen). Dieses Buch hat wirklich jede Aufmerksamkeit verdient, die es bekommen kann.
Ich hoffe wirklich sehr, dass viele Mädchen im passenden Alter über Vierzehn stolpern, darauf gestoßen werden oder was auch immer, dass sie es aufschlagen, sich festlesen und etwas daraus ziehen, das ihr Leben vielleicht positiv beeinflusst. Und ich hoffe, dass auch jede Menge Eltern sich der Lektüre verschreiben, um ihren Töchtern den Mut zuzusprechen, wie Beatrice Emilia Hofmann zu sein.

Hut ab, liebe Tamara Bach, ich bin mächtig beeindruckt!

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